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Insulindosierung unter funktioneller Insulintherapie


Wir unterscheiden in der funktionellen Insulintherapie 3 verschiedene Insulinapplikationen:

1. das Basisinsulin
2. das Essensinsulin
3. das Korrekturinsulin


1. das Basisinsulin

ist jenes Insulin, das benötigt wird, ohne Essen einen Blutzucker im Normbereich zu halten (die Leber produziert dauernd eine gewisse Menge Glucose, es braucht also dauernd eine gewisse Menge Insulin, damit der Blutzucker nicht ansteigt).

  • Ohne Essen braucht es also auch Insulin!
  • Die Dosis des Basisinsulins entspricht ca. 50% der Gesamtdosis!


2. das prandiale Insulin

ist jenes Insulin, das gebraucht wird, um den Blutzucker der durch das zugeführte "Essen" (Kohlenhydrate) erhöht wird, im Normbereich zu halten.


3. Das Korrekturinsulin

ist jenes Insulin, das gebraucht wird, um den erhöhten Blutzucker so zu korrigieren, dass er baldmöglichst wieder den Normbereich erreicht.

Um dieses Ziel zu erreichen müssen mindestens 4 Blutzuckermessungen und mehrere Insulininjektionen gemacht werden.


Basisinsulin

Das Basisinsulin ist jenes Insulin, das notwendig ist, um den Blutzucker im Gleichgewicht zu halten, auch wenn Du nichts isst. Die Leber produziert andauernd eine gewisse Menge Glucose, damit Hirn und die anderen Organe "Betriebsstoff" haben. Es braucht also auch andauernd geringe Mengen Insulin.


Wie sind die Kräfteverhältnisse ?

pro kg Körpergewicht / pro Stunde braucht es ............ E Insulin*
oder für mein Gewicht von ..........kg ..............E/Insulin in 24 Stunden.
*darum ist Übergewicht auch für den Insulinverbrauch problematisch


Folgende Fragen musst Du beantworten können:

  • Wie verhalten sich die Kräfte im Verlaufe des Tages ?
  • Zu welchenTageszeiten ist der "basale" Insulinbedarf hoch, wann tief ?
  • Welche Gegenspieler sind dafür verantwortlich ?


Es erhöhen Blutzucker:

  • Insulingegenspieler (Wachstumshormon; Adrenalin,Cortison)
  • Infekte (Fieber, Grippe, Verletzungen)
  • Periode


Es senken Blutzucker:

  • körperliche Anstrengung


Wieviel des täglich notwendigen Insulins wird für den "basalen" Bedarf gebraucht ?


Essens-Insulin

Das Essensinsulin dient dazu, den Blutzucker der durch das Essen (Verdauung/ Aufnahme von Kohlenhydrate im Darm in den Kreislauf ) ansteigt, im Normbereich zu halten. Der Blutzucker sollte 1 Stunde nach dem Essen maximal auf: 11,.1 mmol/l; 2 Std. nach dem Essen maximal auf: 9,.9 mmol/l steigen (Messung kapillär Fingerbeere).

Erinnere Dich an das Schema der Kräfte:

Fülle die leeren Flächen aus mit den "Zusatzkräfte"


Folgendes muss beachtet werden:

  • Spritzort: (dazu mehr später)
  • Spritz -Ess -Abstand: Bis das Insulin wirkt, muss es sich auflösen und in den Blutkreislauf gelangen. Dies braucht Zeit. Ideal wäre es, wenn die Wirkkurve ( has heisst die blutzuckersenkende Kraft) möglichst zur gleichen Zeit und mit der gleichen Stärke eintritt, wie die blutzuckerhebende Kraft der gegessenen Kohlenhydrate.
  • Glycämischer Index: So wie das Insulin Zeit braucht, um voll zuwirken, muss auch das Essen vom Magen in den Dünndarm gelangen, um dort in der richtigen Form aufgenommen zu werden = Verdauung. Logischerweise können Zuckermoleküle, die bereits in Einzelform (Traubenzucker) vorliegen schneller aufgenommen werden als Zuckermoleküle, die noch verkettet sind (Stärke). Daraus ergibt sich der glycämische Index, das heisst die Angabe, wie schnell die KH ins Blut gelangen nach dem Essen des entsprechenden Lebensmittel.

 

Gib Beispiele für verschiedene Lebensmittel an:

  • rascher Blutzuckeranstieg
  • mittlerer Blutzuckeranstieg
  • langsamerer Blutzuckeranstieg

Wie viel Insulin muss ich pro 10 g Kohlenhydrate (= 10gKH !) spritzen?

Die genaue Dosis für das Essensinsulin musst Du selbst herausfinden.

Denke daran, dass es tageszeitliche Unterschiede gibt, zum Teil bedingt durch

  • die tägliche Aktivität,
  • die verschiedenen Wirkstärken der Insulingegenspieler
  • die Wirkungskurve des basalen Insulins
  • Blutzuckerhöhe/ Spritzort/ Dosis/ Spritz-Essabstand
  • ................................................................

Das Essensinsulin macht bei normaler Ernährung/ Kohlenhydrateanteil ca. 50% des Gesamtinsulins aus, verteilt auf die einzelnen Mahlzeiten.

Der postprandiale Zielbereich

Die Hypokorrektur

Das Korrekturinsulin


Häufig ist die Kontrolle des Stoffwechsels ungenügend ( hoffentlich immer seltener ). Da verschiedene Abläufe nicht immer genau nach Schema verlaufen ( sowohl von Seiten der Wirkkurven des Insulins und der Kohlenhydratverdauung her, wie auch von Seiten des täglichen (Stress/Aerger/Arbeits-)Ablaufes , ist eine Korrektur notwendig.

TIEFE Blutzucker korrigierst Du mit dosierter Einnahme von KH

(schnell wirkame KH)

und

HOHE Blutzucker korrigierst Du mit dosiertem Spritzen von Insulin

(schnell wirksames Insulin)

 

Es ist immer einfacher nur eine veränderbare Grösse zu haben, das heisst zur Korrektur nicht an der Insulindosierung herumschrauben und gleichzeitig die Kohlenhydrateinnahme zu verändern !!!

 

Denk daran:

überlege immer in welche Richtung sich Dein Blutzucker in der nächsten Stunde bewegen wird:

  • Insulin wirkt noch ?
  • wie viele KH wirken noch ?
  • wie viel Bewegung wirkt noch ?
  • wie viel Basisinsulin wirkt noch ?

nur so kannst Du überlegen und herausfinden, wie viel Insulin Du spritzen musst oder wie viel KH Du essen musst um den zu tiefen oder zu hohen Blutzucker zu korrigieren.


FIT funktinelle Insulintherapie

Überlegung vor jedem Spritzen / Essen

1. Wie hoch ist der aktuelle Blutzucker
  • a. Stimmt der Wert ?
  • b. Wieso zu hoch ? : mehr gegessen, zuwenig Insulin, keine Bewegung, Zwischenmahlzeit......
  • c. Wieso zu tief? Zuviel Insulin, nicht einberechnete Bewegung, nicht/ weniger gegessen...

2. Wieviel werde ich essen (in g Kohlenhydrate) ?

  • a. Schnell oder langsam resorbierbare Kohlenhydrate
  • b. Verändern Eiweiss und Fett die Kohlenhydrataufnahme

3. Habe ich in den nächsten 3-6 Stunden vermehrte körperliche Aktivität ?

  • a. Wirkt die körperliche Aktivität der letzten 6 Stunden noch nach
  • b. Welches Insulin wirkt vor allem während meiner vermehrten körperlichen Aktivität

4. Wieviel Insulin muss ich spritzen ? und zu welchem Zeitpunkt

  • a. Basales Insulin ohne Essen
  • b. Insulin für die Kohlenhydrate des Essens (Spritz-Essabstand notwendig?)
  • c. Insulin für die Korrektur des erhöhten Blutzuckerwertes
  • d. Glucose zur Korrektur des zu tiefen Blutzuckerwertes

5. Wann muss ich spätestens eine Blutzuckerkontrolle durchführen?


Siehe Insulinwirkzeiten

Um entscheiden zu können, ob und wie viel Insulin noch wirken, müssen die Insulinwirkzeiten bekannt sein

Insulinwirkzeiten

Name Einheiten Beginn Ende Varianz

Actrapid 6 E ½ Std. 4,4 Std. 3,3 - 5,5
NORMAL 12 E
½ Std.
5,4 Std.
4,75 - 6,7
24 E ½ Std. 8 Std.
6,0 - 10,0

Insulatard 6 E 2,5 Std. 8,4 Std. 6,3 - 10,5
BASAL 12 E 2,5 Std.
10,8 Std. 8,1 - 13,5
24 E 2,5 Std. 13,2 Std. 9,9 - 16,5
40 E 2,5 Std. 16,8 Std. 16,6 - 20,2

HUMALOG (siehe separate Seite)

Humalog ist ein Insulin, das wegen seiner Struktur einen sehr raschen Wirkungseintritt hat, im Gegensatz zu Actrapid oder Normal.

Rechenbeispiel für FIT

Zeit Blutzucker gemessen vorgesehenes Essen in g KH vorgesehene körp. Aktivität / Sport

Wieviel Insulin muss ich spritzen ????

E Insulin Ueberlegung Besonderes
Basales Insulin
Name
Essensinsulin
Name
Korrekturinsulin
Name
zusätzliche Kohlenhydrate
Typ
Total

Bemerkungen

Zeit Blutzucker gemessen vorgesehenes Essen in g KH vorgesehene körp. Aktivität / Sport


Dr.med.Frank Achermann, Schwerpunktpraxis Diabetes, Weggisgasse 40, 6000 Luzern 5, 041 418 6 418, Fax 418 6 416