Spezifische Info zu Diabetes Typ 2
Aufklärung tut not
Das Leben geniessen – auch mit Diabetes
Altersdiabetes wird die Krankheit verharmlosend im Volksmund genannt; «Diabetes mellitus Typ 2» oder nichtinsulinabhängiger Diabetes Mellitus heisst die Krankheit, die über 10% unserer Gesundheitskosten verschlingt.
Drei Viertel aller Erkrankten sterben an einem Hirnschlag oder Herzinfarkt, weil die Krankheit zu spät erkannt und ungenügend behandelt wird.
Die Rede ist von der am weitesten verbreiteten Stoffwechsel- und Zivilisationskrankheit, mit welcher allein in der Schweiz rund 250’000 Menschen leben und leiden– viele allerdings (noch) ohne etwas davon zu wissen. Häufig beginnt die Krankheit ohne Symptome bereits im jungen bis mittleren Erwachsenenalter.
Die Entstehung der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 2 hat sehr viel mit der Ernährung, mit der mangelnden körperlichen Aktivität und mit der Vererbung zu tun. Schuld ist nicht der Konsum von Zucker, sondern das tierische Fett: Käse, Wurstwaren, Fleisch und Butter enthalten die kalorienreichen, gesättigten und schädlichen Fettsäuren. Uebergewicht, schädliches Cholesterin und eine gestörte Stoffwechselfunktion mit erhöhtem Blutzucker sind die Folge. Daraus entstehen dann die Folgekrankheiten an den Gefässen, Füssen, Nerven, Nieren und Augen. Die Therapie stützt sich auf eine gesunde, vegetarisch orientierte Ernährung, regelmässige, ausdauernde körperliche Aktivität und auf Medikamente, die den Stoffwechsel beeinflussen.
Die Zuckerkrankheit der Kinder und Jugendlichen, seltener auch von Erwachsenen, wird Diabetes mellitus Typ 1 genannt. Die Ursache dieser Form der Stoffwechselstörung ist eine entzündliche Zerstörung der Insulin-bildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Therapie ist Insulin, das mehrfach täglich in Abhängigkeit von der gegessenen Kohlenhydratmenge, dem Blutzucker und der körperlichen Aktivität gespritzt werden muss.
Diabetes haben? Ich doch nicht
Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2 ) ist über Jahre eine stumme Krankheit. Während dieser Zeit finden aber bereits schädliche Veränderungen statt. Die Symptome wie z.B. grosser Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit sowie nachlassendes Tastempfinden an den Füssen, ein Herzinfarkt oder Durchblutungstörungen in den Beinen (Schaufensterkrankheit) sind bereits Ausdruck einer fortgeschrittenen Erkrankung. Bei einem Drittel der Patienten lassen sich beim Zeitpunkt der Diagnose Diabetes mellitus bereits solche Folgeschäden feststellen. Für viele Menschen und Aerzte sind die Zeichen wie Unlust, Müdigkeit, Gewichtsabnahme zu Beginn offensichtlich zu banal oder vieldeutig, als dass sie spontan mit «Zucker» in Verbindung gebracht werden.
Die Folgen eines zu spät erkannten und schlecht behandelten Diabetes sind jedoch fatal. Die Erkrankung wird wegen den mangelnden Schmerzen nicht ernst genommen. Der Betroffene fühlt sich häufig nicht viel schlechter als sonst im stressigen Alltag. Die Krankheit wird verdrängt und die notwendige Aenderung der Essgewohnheiten und der Bewegungsarmut findet nicht statt. Das Ziel muss eine möglichst gute, normnahe Einstellung des Blutzuckers sein, der Blutdruck muss in der Norm liegen und die noch erhöhten Blutfette sollten allenfalls auch mit Medikamenten erniedrigt werden. Die Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers können einerseits die Aufnahme von Kohlenhydraten verzögern, sie können die Insulinwirkung an den Zellen verbessern oder zu einer vermehrten Insulinausschüttung führen. Insulin sollte immer dann eingesetzt werden, wenn die angestrebten Blutzuckerwerte nach Gewichtsabnahme, körperlicher Aktivität und mit den verschiedenen Medikamenten nicht erreicht werden. Insulin spritzen macht nicht weh.
Mehr als die Hälfte der Erblindungen und ein ähnlich hoher Anteil der Beinamputationen sind zudem auf die ungenügende Therapie der Zuckerkrankheit zurückzuführen. Ueber 10% unserer Gesundheitskosten werden durch diese Krankheit (unnötigerweise) verursacht. Das Ausmass erschreckt insbesondere deshalb, weil eine frühzeitige Diagnose und Behandlung einfach und kostengünstig zu ist. Gehört man nämlich zu einer der leicht bestimmbaren Risikogruppen (siehe Kasten 2) oder hat man das 40. Altersjahr erreicht, sollte der Blutzucker regelmässig beim Hausarzt untersucht werden. Nüchternwerte über 5.9 mmol/l (106mg%) oder Blutzuckerwerte über 7.8 mmol/l (140mg%) 2 Stunden nach dem Essen müssen nachkontrolliert werden und sind verdächtig auf eine (beginnende) Erkrankung des ZUckerstoffwechsels.
Am besten ist jedoch die aktive Vermeidung (Prophylaxe) an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken: Gewichtsnormalisierung, regelmässige körperliche Betätigung und eine gesunde, tierische Fette vermeidende Ernährung sind dazu notwendig.
Diabetes haben und damit umgehen
Ist Diabetes einmal ausgebrochen, ist eine Heilung, nicht mehr möglich. Durch eine gute Stoffwechseleinstellung und Gewichtsnormalisierung können jedoch die Stoffwechselvorgänge soweit normalisiert werden, dass über Jahre keine Medikamente mehr notwendig sind. Betroffene sind nicht hilflose Patienten, sondern müssen sich als selbstverantwortliche «Aktienten» sehen. Der Blutzucker kann heute mit einfachen modernen Geräten in Sekunden gemessen werden, Damit lässt sich der Erfolg der getroffenen Massnahmen feststellen und allenfalls können Aenderungen im (Ess-) Verhalten gemacht werden.
Eine Diabetes-Therapie lässt sich anschaulich mit einer Bergtour vergleichen, die zusammen mit dem Arzt geplant wird. Gemeinsam wollen der Patient und der Arzt den Berggipfel (das Ziel) erreichen. Dafür müssen sie den Weg dorthin festlegen, die für die Erreichung des Ziels erforderlichen Mittel auswählen und mögliche Hindernisse in Betracht ziehen. Mit anderen Worten: Das Ziel ist die Beseitigung bestehender Symptome und langfristig die Verhinderung von Komplikationen sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen; kurzum: die Verbesserung der Lebensqualität. Der Weg, der zum Ziele führt, ist die Art der Schulung sowie die damit verbundene Verhaltensänderung in bezug auf Ernährung und körperliche Aktivitäten. Die Mittel dafür sind die Motivationsstrategien zur gesunden Lebensführung, die Selbstkontrolle des Blutzuckers sowie der Einsatz spezifischer Medikamente. In dieser Art verstandene und durchgeführte Behandlungs- resp. Therapieformen belassen den Betroffenen auch weiterhin ein Maximum an Selbstbestimmung und Lebensqualität.
Dr. med. Frank Achermann, Luzern
Zum Autor:
Dr. Frank Achermann praktiziert als Internist und Diabetes-Spezialist in Luzern. Er ist Mitglied der Ärztekommission der Zentralschweizer Diabetes-Gesellschaft und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft (SDG). Zudem ist er Vertreter des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bei der WHO in Sachen Diabetes und St.-Vincent-Deklaration (Internationales Übereinkommen zur weltweiten Bekämpfung von Diabetes).
Die zwei Formen der Zuckerkrankheit
Der Zuckerstoffwechsel wird vom Hormon Insulin, welches in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, gesteuert. Grundsätzlich unterscheidet man in der Medizin zwei Typen von Diabetes:
Diabetes Typ 1
Bei dieser Krankheit werden die ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse durch eine Entzündung zerstört. Es entsteht ein Insulinmangel. Trifft vor allem Kinder und Jugendliche. Beginnt oft akut und befällt auch Normalgewichtige.
Diabetes Typ 2
Präventions-Tips für den Alltag
Ein ausgeglichenes Lebenskonzept kombiniert mit einer gesunden Ernährung und einem gewissen Mass an körperlicher Aktivität trägt dazu bei, dass sich der eigene Stoffwechsel sowie die natürliche Insulinproduktion selbst in einem frühen Diabetes-Stadium wieder normalisiert.
Nachstehende Präventions-Tips helfen mit, diesen Prozess zu unterstützen oder aber – frühzeitig umgesetzt – Diabetes gar nicht erst entstehen zu lassen:
Diabetikersocken von Rohner
Oft sind es kleine, geradezu alltäglich scheinende Dinge, die die Lebensqualität von Diabetikern positiv beeinflussen. So hat beispielsweise die bekannte Schweizer Firma Jacob Rohner AG, Balgach, eine Diabetikersocke entwickelt, welche dank der patentierten Stricktechnologie ein Abrutschen am Bein auch ohne Gummizug verhindert. Darüber hinaus verspricht die flache, handgekettelte Zehennaht sowie der hohe Anteil an Naturfasern besonderen Tragkomfort. Die Diabetikersocke von Rohner ist in diversen Farben ab sofort im Handel erhältlich.
Neben der Inspektion der Füsse durch den Partner und richtig angepasste Schuhe helfen solche Mittel dem Patienten.(red.)